Von Cuttern, Fidget Spinnern und Ho.p.I.s …

 

... Oder: Vier Tage FedCon am Stand der Greenlight Press

 

  

Donnerstag, 01.06.

Klamotten sind gepackt, Goodies verstaut, auf geht's Richtung Bonn – mit 30 Minuten Verspätung dank Deutscher Bahn. Natürlich. Aber ich hab zu gute Laune, um mich davon ärgern zu lassen. Meine erste Con und mein erstes Treffen mit Andreas, meinem Verleger. Bei beiden hab ich ein recht optimistisches Bauchgefühl, dass es zwischen uns schon passen wird. Die anderen 50% von Team Greenlight bestehen aus Henrik und Ralf. Die kenne ich auch noch nicht, aber auch das wird schon passen …

… Tut es auch. Als wir uns im Händlerraum des Maritim-Hotels treffen, gibt es zwar keine Zeit zum großartigen Kennenlernen, weil wir nur noch anderthalb Stunden zum Aufbauen haben, aber gemeinsames Schuften und geteilter Stress verbinden. Team Greenlight besteht die erste Bewährungsprobe, der Stand wird rechtzeitig fertig, schnell noch ein paar Fotos gemacht, solange alles noch ordentlich aussieht, kurz ins Hotel und dann in die Innenstadt, um was zu essen. Dabei fand bezüglich der kleinen Tuben mit Shampoo und Duschbad, die das Hotel für Gäste bereitstellt, ungefähr folgender Dialog statt:

Henrik: Ich hoffe, das ist nicht alles.
Andi: Was hast du denn erwartet? Eine Literflasche?
Henrik: Hey, wir sind im Hilton!
Andi: Hast du kein eigenes Duschbad dabei?
Henrik: Nein, wir sind ja im Hilton! Ich dachte, da gibt es mehr.
Ich: Vielleicht bekommst du ja jeden Tag ein neues.
Henrik: Besser wäre das. Ansonsten steh ich morgen an der Rezeption, knall denen die Tube dahin und frag, womit ich meinen zweiten großen Zeh waschen soll.

Ungefähr ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass die nächsten vier Tage verdammt lustig werden würden. laugh

Anmerkung: Es gab wirklich jeden Tag neues Shampoo und Duschbad. Zumindest bei mir und ich hab sie nicht mal benutzt. wink

 

 

Freitag, 02.06. – Montag, 05.06.

Meine allererste Con. Yay!

Ich bin kein Sci-Fi-Nerd. Super Satz zum Einstieg, oder? Aber hey, so ist es nun mal, ich kann es nicht schönreden. Ich hab zwar ein paar Serien und Filme gesehen, vieles kenne ich zumindest grob oder vom Namen her, aber echte Ahnung hab ich wenig. Beste Voraussetzungen also. Tschakka! yes wink Aber zum Glück hab ich ja drei hilfsbereite und äußerst auskunftsfreudige Experten an meiner Seite, die mich gerne aufklären, wenn ich mal wieder keinen Plan habe, wer da gerade an unserem Stand vorbeiläuft. Star Wars, Alien und die Guardians of the Galaxy erkenne ich aber selbst und bin wahnsinnig stolz drauf. Läuft also. laughyes

  

Überall blinkt und dudelt es, Musik schallt von jedem zweiten Stand, viele Menschen, viele Sprachen, alles bunt, vieles herrlich schräg und alle wollen einfach nur eine gute Zeit haben, Freunde wiedersehen und Gleichgesinnte treffen. Ich finde es super hier. Die Reizüberflutung, für die ich mich innerlich gewappnet hatte, bleibt komplett aus – oder ich bin als Ex-Lehrerin einfach immer noch verdammt resistent gegen Lärmpegel, stickige Luft und viele Menschen. Ha, ich wusste doch, dass mein alter Brotjob für irgendwas gut war! laughyes

Unser Con-Stand sieht super aus, wir sind definitiv im optisch schönsten Händlerraum gelandet und haben äußerst lustige Standnachbarn. Die Tage vergehen wie im Flug.

Besucher trudeln ein, Bücher und CDs werden verkauft und ich darf signieren. Das ist noch immer jedes Mal aufs Neue ein echt geniales Gefühl und ich hoffe sehr, das geht auch nie weg. Leute von Facebook und Lovelybooks schauen vorbei und bekommen als Leser/Hörer unserer Reihen Goodie-Tüten und Energydrinks. Wir fixen neue Leser und Hörer mit unseren Geschichten an, plaudern mit Leuten, veranstalten Gewinnspiele und haben mächtig viel Spaß.

Irgendwann hatte dann auch jeder von Team Greenlight seinen Spitznamen weg. Andi ist NEEK (Nerd + Geek), was sich eigentlich selbst erklärt – oder von gefühlten fünfzig Tüten voll Merchandise-Artikeln, die NEEK sich gekauft hat, erklärt wird. Ralf ist WHOVIAN, der einem alles, was man über Doctor Who wissen – oder auch nicht wissen – möchte, erzählen kann. Und weil auf Henriks T-Shirt statt seinem Namen nur TEAM steht, ist er eben TEAM.

Und ich? Mir hat man PÄDAGOGIN aufgestempelt – und das nur, weil ich in den ruhigeren Phasen, wenn die Panels liefen, feststellen musste, mit wem ich da eigentlich gerade den Greenlight-Stand rockte – mit drei der schlimmsten Ho.p.I.s ever. Für alle Nicht-Eingeweihten: Das ist Lehrergeheimsprache, steht für "hochpubertäre Irre" und bezeichnet in der Regel alle Schüler ab Klasse 7. Und seit letztem Wochenende eben auch die drei Jungs vom Stand der Greenlight Press.

Ihr wollt Beweise? Ich musste ein Silber-Edding-Lichtschwert-Duell mit TEAM ausfechten – natürlich ohne Kappen auf den Stiften, weil es ja sonst keinen Spaß gemacht hätte. Deshalb hat eins meiner schönen Greenlight-Shirts jetzt einen silbernen Fleck auf der Schulter. (Sorry, Andi … *halbwegs zerknirscht guck* … War aber nicht allein meine Schuld!) WHOVIAN wird zur Diva, wenn er Hunger kriegt, TEAM entwickelt gemeingefährliche Tendenzen, wenn man ihn mit dem Cutter unbeaufsichtigt lässt, und NEEK wird knatschig, wenn man ihm erklärt, dass er den Fidget Spinner, den die PÄDAGOGIN besorgt hat, mit den anderen Jungs teilen muss. Für alle, die keine Ahnung haben, was ein Fidget Spinner ist – seid froh und googelt es. Eigentlich soll er ADHS-Kindern helfen, ruhiger zu werden und sich auf eine Sache zu konzentrieren, während sie versuchen, das Ding auf ihrem Finger zu balancieren. PÄDAGOGIN kann nach viertägiger Feldstudie bestätigen, dass es stimmt: Das Kind, das mit dem Ding spielt, wird tatsächlich ruhig. Leider drehen dafür dann aber alle anderen durch, weil sie auch eins haben wollen … WHOVIAN schlitzt aus Frust, weil NEEK nicht teilen kann, mit dem Cutter in der Tischdecke herum, bis ich pädagogisch aktiv werde und sowohl Cutter als auch Fidget einsacke, woraufhin NEEK und WHOVIAN – plötzlich wieder in friedlicher Eintracht – gemeinsam schmollend abziehen, um neue Merchandiseprodukte zu kaufen. Ich fühle mich wie auf Klassenfahrt mit hyperaktiven 12-Jährigen, sinke erschöpft auf einen Stuhl und lege Fidget und Cutter kurz beiseite, um die Wasserflasche unterm Tisch hervorzuholen. Als ich wieder aufblicke, beschließe ich spontan zu ignorieren, dass TEAM mit dem Cutter an seinen Fingernägeln herumsäbelt, nehme mir einfach nur den Fidget, spinne damit herum und suche mein inneres Ohmmm …

 

Lief also bei uns. yes yes

NEEK hat auf einer seiner Shopping-Touren sogar einen Baby Groot für mich entdeckt. Jaaaa, so ein kleines bisschen Nerd bin ich dann doch. angel Ließ sich nach vier Tagen Con einfach nicht vermeiden. Die drei Jungs färben ab. Ich hab am letzten Tag sogar meine Schlüsselkarte im Hotelzimmer vergessen, was mir vorher noch nie passiert ist. Ganz schlechter Einfluss, die drei …

Anmerkung: Wenn ich jetzt sage, dass Baby Groot nicht für mich ist, sondern für meine Schwester, glaubt mir das vermutlich eh keiner, oder? wink

 

Abschlussfazit?

Es war genial. Tolle Stimmung, tolle Kollegen, viele unglaublich nette Leute kennengelernt, von denen ich einige hoffentlich auf der nächsten Con wiedersehen werde. Es war anstrengend und am Ende waren wir alle durch, aber wir haben viel gelacht und hatten eine geniale Zeit.

Als ich alleine im Zug nach Hause saß, herrschte plötzlich eine seltsame Stille um mich herum. Keiner hat mich geärgert, angemalt oder mir irgendwas weggenommen … Völlig ungewohnt. Hm. Kann es echt sein, dass ich die drei chaotischen Hopis vermisse?! wink

Ich bin nicht böse, dass mein nächstes Wochenende ein ganz ruhiges wird. Aber ich freue mich jetzt schon auf die ComicCon in vier Wochen. yeslaugh

PS: Wer die NEEK-Sicht lesen will, findet sie hier: http://blog.andreassuchanek.de/fedcon26/ wink