Outtake Seite 2

 

»Na, das ging doch mal erfreulich schmerzfrei«, meinte Zack zufrieden, als der Körper des Ghouls kurz aufflackerte und dann verschwand.

»Achtung!«, rief Jamie, da ein weiterer Leichenfresser aus dem zweiten Kellerraum hinter Will aufgetaucht war. Seine Klaue streifte Wills Schulter, doch das robuste Leder seiner Rüstung hielt. Als Antwort rammte Will ihm sein Schwert in den Bauch. Der Ghoul röchelte und spuckte Blut, doch das hielt ihn nicht davon ab, erneut mit seiner Klaue auszuholen. Diesmal schlug er nach Wills Gesicht, doch der brachte sich mit einer schnellen Drehung in Sicherheit.

»Ignis!« Jamies Feuerball traf das Biest an der Schulter. Es schwankte und verlor auf einen Schlag so viel Lebensenergie, dass es keine Kraft mehr für einen weiteren Angriff hatte. Zwei gezielte Hiebe von Ned und Zack schalteten den Ghoul endgültig aus.

Blieb nur noch einer übrig.

»Die Feuerzauber sind klasse gegen die Ghoule!« Jemma und Jamie folgten den anderen in den vorderen Kellerraum.

»Sind halt Geschöpfe der Finsternis. Die kriegt man immer am besten mit Licht klein.«

»Nur blöd, dass der Zauber uns so viel Lebensenergie kostet.« Sie sah auf ihre Armschellen. Sowohl ihre als auch Jamies leuchteten in einem dunklen Gelb. »Nochmal sollten wir das nicht riskieren.«

Jamie nickte grimmig, doch dann grinste er und bevor Jemma ihn davon abhalten konnte, rief er einen weiteren Feuerzauber.

»Ignis!«

Der Ghoul, den Will, Ned und Zack bereits ziemlich erfolgreich mit ihren Schwertern bearbeitet hatten, sackte leblos in sich zusammen.

»Verdammt!« Erschrocken fuhr Jemma zu ihrem Bruder herum, als der aufstöhnte und ebenfalls zu Boden sank. Seine Armschelle leuchtete feuerrot. Hastig kniete sie sich neben ihn. »Sanare!«

Alarmiert fuhren Zack, Will und Ned herum und starrten entsetzt auf Jamie, der totenbleich am Boden lag. Sofort sprang Zack zu ihm, rief ebenfalls seinen Heilzauber und ließ seine Hände über Jamies Körper wandern. »Was zum Teufel ist passiert?«

»Unsere Feuerzauber haben gegen die Ghoule ziemlich gut funktioniert, nur leider kosten sie halt auch verdammt viel Lebensenergie«, antwortete Jemma, da Jamies Energie zu gering war, als dass er hätte sprechen können. Verärgert boxte sie ihm gegen die Schulter. »Der Blödmann hier wollte anscheinend unbedingt ausprobieren, ob er genug Energie hat, um den Zauber zweimal einzusetzen.«

Jamie grinste schief und merkte, dass die Beweglichkeit seiner Arme und Beine langsam zurückkehrte.

Wütend funkelte Zack ihn an. »Was soll der Scheiß? Weißt du eigentlich, wie tot du jetzt sein könntest?! Das war total leichtsinnig! Du hättest mit dieser Aktion auch so viel Lebensenergie verlieren können, dass du aus dem Spiel geflogen wärst!«

»So blöd hätten sie das Spiel wohl kaum programmiert, oder?«, brachte Jamie keuchend hervor und versuchte sich aufzurichten.

Zack schüttelte aufgebracht den Kopf, half ihm aber, sich aufzusetzen. »Das kannst du nicht wissen! Außerdem war die ganze Aktion ohnehin unnötig! Will, Ned und ich hatten das letzte Biest völlig unter Kontrolle!«

»Darum ging es doch gar nicht! Gerade weil das hier ein leichter Kampf war, war es doch eine gute Möglichkeit herauszufinden, wie viel Energie ein zweiter Feuerzauber kostet! Ich wusste, der Ghoul würde sterben, wenn ich ihn treffe, und selbst wenn draußen noch einer gelauert hätte und hier runtergekommen wäre, hättet ihr ihn alleine ausschalten können. Ich musste weder Angst haben, dass ihr im Kampf zu wenige seid, um den Gegner zu besiegen, noch dass mich ein Gegner angreift, solange ich zu geschwächt bin, um mich wehren zu können. Also war das doch die perfekte Gelegenheit, um zwei Feuerzauber hintereinander auszuprobieren! Jetzt wissen wir immerhin, dass es möglich ist!«

Zack musterte ihn durchdringend. Er war sich ziemlich sicher, dass Jamie das nur als Vorwand benutzte, um seine tollkühnen Anwandlungen zu rechtfertigen. »Das ist Schwachsinn. Wir gehen jetzt eh zu Tyron zurück und du wirst von ihm mit Sicherheit ein Upgrade für deinen Zauber erhalten. Die ganze Aktion war also völlig überflüssig, weil deine Fähigkeiten und die Eigenschaften des Zaubers sich dann ohnehin ändern!«

Ertappt biss Jamie sich auf die Unterlippe, zuckte aber nur mit den Schultern. Zack war das Antwort genug. Er fuhr sich durch die Haare, doch bevor er etwas sagen konnte, stand Jemma auf, streckte ihrem Bruder eine Hand hin und zog ihn auf die Beine.

»Wir sollten zusehen, dass wir hier wegkommen, bevor noch mehr Ghoule auf die Idee kommen, eine kleine Entdeckungstour zu starten.«

Zack warf Jamie noch einen kurzen Blick zu, dann nickte er und beschloss, das Thema fallenzulassen. Er hob sein Schwert auf, ging an Will und Ned vorbei, die sich bei der kleinen Auseinandersetzung lieber im Hintergrund gehalten hatten, und stieg die Treppe hinauf. »Jem hat recht. Raus hier, Tür verrammeln und dann ab nach Shadow Creek.«

Will und Jemma folgten ihm, ebenfalls mit gezogenen Schwertern, falls im Freien noch weitere Ghoule auf sie lauern sollten. Doch hinter dem Gutshaus war niemand zu sehen und es empfing sie nur trübes Zwielicht und die unnatürliche Stille von Hof und Wald.

Unten im Keller tappte Jamie ebenfalls zur Treppe und quälte sich noch etwas steif die Stufen hinauf. Ned folgte ihm und grinste verschwörerisch.

»Egal, was Zack sagt, ich fand die Aktion ziemlich cool. Hin und wieder muss man eben einfach mal was wagen, oder nicht?«

Jamie wandte sich zu ihm um und betrachtete ihn einen Augenblick lang nachdenklich. Wollte Ned ihm damit irgendetwas sagen?

Der erwiderte seinen Blick, schien seine Andeutungen aber nicht weiter ausführen zu wollen. Daher zuckte Jamie nur mit den Schultern und grinste zurück. »Manchmal muss man einfach das tun, was sich in diesem Moment genau richtig anfühlt, ohne erst groß über die Risiken und Konsequenzen nachzudenken.« Er seufzte. »Wenn man genau das sonst ständig tun muss, tut es einfach gut, es ab und an mal nicht zu machen.« Damit wandte er sich um und stieg die Treppen hinauf.

Gedankenverloren sah Ned ihm nach, dann lächelte er und folgte Jamie zu den anderen.