Leseprobe Burning London Seite 9

 

»Gleichfalls«, gab Jemma zurück.

Robert warf ebenfalls einen Blick in die Runde. »Ich verlass mich darauf, dass das Haus noch steht, wenn ich zurückkomme.«

 »Keine Sorge«, grinste Jamie. »Ruf einfach eine halbe Stunde bevor du heimkommst an, dann haben wir genug Zeit, alle Partygäste und die Punkrockband rechtzeitig rauszuschmeißen.«

Robert bedachte seinen Sohn mit einem alles sagenden Blick und einer hochgezogenen Augenbraue. »Und was habt ihr wirklich vor?«, fragte er dann. »Bleibt ihr hier oder geht ihr noch mal raus? Es soll Schnee geben.«

»Wir bleiben hier«, antwortete Jemma. »R.A.T.s haben für neun Uhr irgendeine spektakuläre Aktion in CyberLondon angekündigt und wir wollen gucken, was sie diesmal vorhaben. Danach gehen wir dort im West End ins Kino.«

»Okay, dann sehen wir uns später. Oder morgen. Je nachdem.«

»Yep, bis dann. Habt einen schönen Abend!«

Die Haustür fiel hinter den beiden ins Schloss und Jamies lockere Laune verschwand. Still zog er Zacks Arm um seine Schultern und sah zu Jemma, als sie sich neben Will aufs Sofa hockte. »Denkst du, zwischen den beiden läuft was?«

Da war es wieder – dieses fiese Zwicken in Herz und Seele. Jemma hob die Schultern und schwieg. Will schlang seinen Arm um ihre Mitte und zog sie zu sich.

»Wenn es so wäre, wäre das denn so schlimm?« Zack streichelte über Jamies Arm und sah zu Jemma. »Euer Dad ist so toll, hätte er es da nicht verdient, noch mal jemanden zu finden, mit dem er glücklich ist?«

»Doch, sicher«, murmelte Jamie, aber überzeugt klang es nicht.

»Hey«, sagte Zack sacht. »Wenn aus ihm und Ms Carrigan mehr als Freunde werden, würde das doch nichts an den Gefühlen ändern, die er für eure Mum hatte – und immer noch hat.«

Jamie schluckte hart und nickte stumm.

»Ich würde mich freuen, wenn mein Dad jemand Neues hätte.« Will spielte mit einer Haarsträhne, die Jemma über die Schulter fiel. »Er ist ständig so sehr mit seiner Arbeit und immer neuen Projekten, Aufgaben und Problemen beschäftigt, dass ich es echt gut fände, wenn er jemanden an seiner Seite hätte, der ihn ab und an mal von dem ganzen Stress wegholen und ihn das Leben genießen lassen würde.« Er zog die Nase kraus. »Aber vermutlich ist eine Frau, die ihn so nimmt, wie er ist, und das alles mit ihm gemeinsam durchzieht, ähnlich schwer zu finden wie karierte Maiglöckchen.« Er zupfte an Jemmas Haaren. »Aber Ms Carrigan ist echt cool und falls aus ihr und eurem Dad wirklich mehr als Freunde werden, stimme ich Zack zu: Sie würde mit Sicherheit niemals eure Mum ersetzen.«

Jemma atmete tief durch. Ganz tief in ihrem Herzen wusste sie, dass Will und Zack recht hatten. Ihr Dad verdiente es, glücklich zu sein. Und ihre Mum hätte sicher niemals von ihm erwartet, dass er nach ihrem Tod nie wieder eine neue Beziehung anfing. Sie seufzte innerlich und kam sich erbärmlich vor, denn dass sie all dies wusste, bedeutete leider nicht, dass sich ihr Herz bei dem Gedanken an eine neue Frau im Leben ihres Dads nicht trotzdem schwer anfühlte … Und es ließ sie ihre Mum mal wieder so sehr vermissen, dass es wehtat.

Sie schaute zu Jamie und sah in seinen Augen, dass er genau das Gleiche fühlte wie sie.

»Hey«, meinte Zack sanft, als er den Blick zwischen den beiden sah. »Wie wär’s, wenn wir uns darüber jetzt erst mal keine Gedanken mehr machen? Es gibt eine neue Folge von Darkest Knights. Die könnten wir gucken, bevor wir nach CyberLondon gehen.« Er sah zu Will. »Hast du eigentlich im Internet noch ein paar Infos dazu gefunden, was genau R.A.T.s dort planen? Oder wo ihre spektakuläre Aktion heute stattfinden soll? London ist schließlich nicht gerade klein.«

Will sprang sofort auf den Themenwechsel an. »Was genau sie planen, haben sie nicht verraten, aber auf ihrer Homepage steht, dass Westminster heute Abend der Hotspot schlechthin sein soll.«

Zack schnaubte. »Na klar. Welcher Ort auch sonst? Wenn schon spektakulär, dann kann man es auch gleich am bekanntesten Wahrzeichen von London tun, was?«

Will zuckte mit den Schultern und nickte. »Vermutlich.«

Zack gab Jamie einen Kuss auf den strubbeligen Haarschopf. »Also, wie sieht’s aus? Erst ein paar dunkle Ritter anschauen und dann nachsehen, was die Ratten mit Big Ben anstellen?«

Jamie sah noch einmal zu Jem, dann nickte er und angelte nach der Fernbedienung. »Klingt gut.«

 

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