Leseprobe Burning London Seite 7

 

»Vielleicht solltest du dann mal mit deinem Dad reden? Ihm sagen, dass du lieber was anderes machen willst? Wenn du dich durch das Studium durchquälen musst, bringt das doch nichts. Und ich bin mir sicher, er würde nicht wollen, dass du damit unglücklich bist.«

»Nein, das will er sicher nicht«, sagte Will leise, schnaubte aber dann. »Aber bevor ich ihm sage, dass ich mein Studium schmeißen will und vermutlich eher nicht ins Management seiner Firma einsteigen werde, wäre es sicher ganz gut, wenn ich wüsste, was ich stattdessen machen will. Und da hab ich leider noch keinen Plan.« Müde fuhr er sich durch die dunklen Haare. »Ich könnte ihm nur zig weitere Jobs aufzählen, die ich definitiv alle nicht bis zum Ende meines Lebens machen möchte.«

Jemma zeichnete einen kleinen Stern auf seine Brust. »Vielleicht brauchst du einfach erst mal eine Auszeit und etwas Zeit nur für dich?«, meinte sie dann nachdenklich. »In den letzten zwei Jahren hast du deinem Dad fieberhaft bei der Entwicklung der Biokörper geholfen, um Neds Leben zu retten. Das war unglaublich nervenaufreibend und anstrengend und es wäre eigentlich die Zeit gewesen, in der du dir Gedanken um deine eigene Zukunft hättest machen sollen, um herauszufinden, was du willst. Vielleicht hättest du dir die Zeit danach nehmen sollen, als Ned in Sicherheit war. Stattdessen hast du dich sofort darauf gestürzt, deinen Schulabschluss rechtzeitig zum Semesterbeginn hinzukriegen, und dann hast du angefangen, das zu studieren, was am Naheliegendsten war.« Sie reckte sich und gab ihm einen Kuss. »Vielleicht wäre es jetzt einfach mal Zeit, dass du ein bisschen zur Ruhe kommst, um herauszufinden, was du wirklich willst. Daran wäre doch nichts falsch und ich bin mir sicher, dein Dad würde es verstehen.«

»Was ich wirklich will, weiß ich. Und das habe ich auch schon.« Er schlang seine Arme um sie und küsste sie noch einmal. »Und ich lass dich auch nie wieder gehen«, flüsterte er an ihre Lippen.

»Blödmann.« Sie pikste ihm in den Bauch und spielte dann mit seinen Haaren, die in Stirn und Nacken momentan ein bisschen zu lang waren, ihr deshalb aber nur umso besser gefielen. »Auch wenn das sehr, sehr schmeichelhaft ist, bin ich hier gerade nicht das Thema.«

Es klingelte an der Haustür und alle sahen überrascht auf.

»Max?«, fragte Jamie in Richtung Küche, da ihr Hausroboter sich in die Überwachungskamera über der Haustür einklinken konnte.

»Es ist Staatsanwältin Carrigan. Soll ich sie hereinbitten?«

Jemma wand sich aus Wills Armen und kletterte von seinem Schoß. »Nein, lass nur. Ich mach das schon.«

Jemma mochte die Staatsanwältin. Kate Carrigan war im letzten Herbst ihre geheime Verbündete gewesen, als Raymond Finch, einer der Seniorpartner von Abbott, Barnes & Finch, der Anwaltskanzlei, in der ihr Dad arbeitete, gemeinsame Sache mit Richard Huntley, einem reichen Politiker aus dem House of Lords des britischen Parlaments gemacht hatte. Huntley hatte seinen Sohn, der wegen Vergewaltigung und Mordes an einer Stripperin in Untersuchungshaft gesessen hatte, aus dem Gefängnis holen wollen und dafür Roberts Hilfe erpresst, indem er Jemma und Jamie als Geiseln hatte nehmen lassen. Doch mit der Unterstützung von Edward Dunnington und seinen Biokörpern hatten sie die Verbrecher austricksen können, während Kate Carrigan in ihrer Position als Staatsanwältin alles als stille Zeugin aufgezeichnet hatte. Die Huntleys waren daraufhin ebenso ins Gefängnis gewandert wie Raymond Finch, sodass die Anwaltskanzlei, in der Robert arbeitete, jetzt nur noch Abbott & Barnes hieß.

Auf dem Sofa wandte Zack sich zur Treppe um, die in den ersten Stock hinaufführte. »Robert! Beeil dich! Dein Date ist hier!«

Jemma strafte ihn mit einem bösen Blick, als sie am Sofa vorbei Richtung Haustür lief.

Ihr Dad hatte kein Date. Und sie mochte das fiese Zwicken in ihrem Herzen nicht, bei der Vorstellung, es könnte vielleicht irgendwann doch mal so sein.

Mann!, herrschte sie sich in Gedanken selbst an. Jetzt sei bloß kein Biest! Du magst Ms Carrigan!

Die Staatanwältin hatte ihr und Jamie durch die Aussagen beim Prozess gegen Huntley und Finch geholfen und sie hielt sie über das Verfahren gegen Russell auf dem Laufenden, obwohl sein Fall der schweren Körperverletzung nicht vor ihrem, sondern dem Jugendgericht verhandelt wurde.

Jemma verfluchte Zack innerlich für seinen blöden Kommentar, schüttelte rasch sämtliche unbequemen Vorstellungen ab und lächelte freundlich, als sie die Haustür öffnete. »Hallo, Ms Carrigan.«

»Hallo, Jemma. Tut mir leid, wenn ich störe und hier einfach so reinplatze. Ich hatte mit deinem Vater eigentlich ausgemacht, dass ich ihn auf dem Handy anrufe, wenn ich vor eurem Haus stehe, aber leider geht Robert nicht ran.«