Leseprobe Burning London Seite 5

 

Kapitel 2

Im Wohnzimmer der Bennetts war es warm und gemütlich, im Kamin prasselte munter ein Feuer und es roch noch lecker nach der Gemüsepasta, die es zum Abendessen gegeben hatte. Jemma und Will hatten sich in einen der Kaminsessel verzogen und surften eng aneinander geschmiegt zusammen im Internet, der Fernseher brabbelte leise vor sich hin und Max klapperte mit Töpfen und Geschirr, während er in der Küche für Ordnung sorgte. Jamie liebte diese friedliche Zeit nach dem Abendessen. Müde, aber rundum zufrieden kuschelte er sich in seine Ecke auf dem Sofa und spielte mit den verschiedenen Anzeigen seiner Fitnessuhr herum.

Viereinhalb Meilen.

Sieben Komma zwei Kilometer.

Er überschlug die Werte im Kopf. Bei seiner ziemlich kurzen Schrittlänge … mussten das … an die zwanzigtausend Schritte gewesen sein.

Er grinste.

Cool …

Und noch viel cooler war, dass seine Beine nicht wehtaten. Rückenschmerzen hatte er auch nicht. Er war zwar k.o. und seine Beine fühlten sich bleischwer an, aber er war völlig schmerzfrei – und das war nicht nur cool, sondern absolut grandios.

Zack ließ sich neben ihn aufs Sofa fallen. »Na, zufrieden mit dir?«, fragte er mit einem Nicken in Richtung Fitnessuhr.

»Mächtig zufrieden.« Jamie zog ihn zu sich und gab ihm einen Kuss. »Danke, dass du das Ding umgetan hast.«

»Sehr gern geschehen.« Zack strich ihm durchs Haar und küsste ihn zurück. »Wir müssen übrigens nicht unbedingt mit Jem und Will in die C-World, wenn du jetzt k.o. bist. Wir können auch nach oben gehen, du legst dich hin und wir streamen irgendwas. Es gibt eine neue Folge von Darkest Knights.« 

Jamie schüttelte den Kopf. »Nee, so kaputt bin ich nicht. Außerdem will ich wissen, was R.A.T.s so wahnsinnig Spektakuläres in CyberLondon veranstalten wollen. Und den neuen Sherlock & Watson wollen wir doch eh sehen.«

»Ja, du willst ihn unbedingt sehen!« Anzüglich zwickte Zack ihm in die Seite. »Weil du Tobin Galway total heiß findest!«

Jamie lachte empört auf. »Hey, du willst die Knights doch auch bloß gucken, weil du auf Jeremy abfährst!«

Zack grinste. »Oh, bitte. Das wäre der Serie gegenüber aber sehr gemein. Die Story ist echt super.« Wieder zwickte er Jamie. »Aber ich gebe zu, dass Jeremy schon verflixt niedlich ist.«

Schnaubend versuchte Jamie Zacks Hände abzuwehren. »Mach dir keine Hoffnungen. Der Typ, der ihn spielt, ist hetero. Ich hab ihn gegoogelt.«

Zack musste lachen. »Na, dann hast du ja noch mal Glück gehabt!« Er fand eine Lücke in Jamies Abwehr und knuffte ihm in den Magen.

Jamie stöhnte auf und presste schützend eine Hand auf seine Mitte. »Nicht. Nicht in den Bauch.«

Sofort hörte Zack auf, ihn zu piesacken. »Warum? Hast du Magenschmerzen?«

Die Medikamente, die Jamie nehmen musste, um nach seiner Wirbelsäulenverletzung Muskelzuckungen und Krampfanfälle in Schach zu halten, gingen leider mit Nebenwirkungen einher, die ihn immer wieder mit Übelkeit, Appetitlosigkeit und Magenschmerzen kämpfen ließen.

Jamie schüttelte den Kopf. »Nein. Ich glaub, ich hab einfach nur zu viel von der Pasta gegessen.«

Zack ließ seine Hand unter Jamies Pullover wandern und strich ihm sacht über den Bauch. »Stimmt, ich war ehrlich gesagt ziemlich beeindruckt, wie viel du heute verdrückt hast«, neckte er.

»Ich hatte halt ausnahmsweise mal richtig Hunger! Und die Pasta war echt lecker.«

»Wow, das sind ja völlig neue Töne von dir.«

Jamie kuschelte sich an ihn. »Das lag bestimmt nur an der vielen frischen Luft.« Zacks warme Hand, die sanft über seinen Bauch streichelte, fühlte sich unfassbar gut an.

»Na, wenn das die Folgen sind, dann sollten wir ab jetzt jedes Wochenende so einen Ausflug planen.«

»Klar. Und in einem Jahr musst du mich dann durch den Park kugeln.«

Zack ließ seine Finger über Jamies Rippen wandern, die viel zu leicht zu ertasten waren, und stupste ihm dann zärtlich in den deutlich zu flachen Bauch. »Ich schätze mal, dafür müsstest du dein Gewicht ungefähr verdreifachen und ich glaube, die Gefahr ist eher gering. Obwohl – witzig wäre es schon.«

Jamie lachte und kniff ihm in den Arm.

Jemma musste schmunzeln, als sie die beiden miteinander kabbeln sah. Sie saß quer über Wills Schoß und ließ ihre Beine über die Armlehne des Sessels in Richtung Feuer baumeln, um ihre Füße zu wärmen. Genau wie Jamie liebte sie die stille Familienzeit nach dem Abendessen und der Abend heute war perfekt.