Leseprobe The Secrets of Yonderwood Seite 9

 

»Tough Cookies, das ist eure Bleibe.« Er nickte zur Hütte und kramte in der Jackentasche seines fleckigen Parkas. »Der Code für die Tür.« Er drückte Zack einen zerknitterten Papierfetzen in die Hand. »Und jetzt los, aussteigen! Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit.«

»Viel Spaß beim Einzug.« Paige schnitt eine Grimasse in Richtung der verwitterten Hütte. »Ist bestimmt wahnsinnig gemütlich bei euch.«

Jemma sprang aus dem Wagen und grinste. »Na, wer weiß, wie es bei eurer Granny aussieht.« Sie nahm Jamies Krücken entgegen und gab ihm Halt beim Aussteigen.

»Hoffentlich sehen wir uns im Spiel bald wieder«, meinte Keira, als alle sechs aus dem Bus geklettert waren.

»Fänd ich auch cool«, stimmte Charlie ihr sofort zu.

»Genug gelabert«, knurrte Fletcher vom Fahrersitz aus. »Wir müssen weiter!«

»Und was passiert jetzt?«, fragte Zack, während Fletcher dem ächzenden Bus ein holpriges Wendemanöver abverlangte.

Fletcher nickte zum Zettel in Zacks Hand. »Ihr zieht ein.«

»Und dann?«

»Abwarten«, brummte Fletcher in seinen Bart und fuhr davon.

»Okaaay … Der Oscar für den griesgrämigsten Dorfgrummel ist ihm auf jeden Fall schon mal sicher.« Zack blickte dem VW-Bus noch kurz hinterher, dann nahm er seine Reisetasche und warf einen Blick auf die alte Hütte, die für die nächsten drei Tage ihre Bleibe sein würde. »Na, dann lasst uns mal sehen, was dieses heimelige Schätzchen zu bieten hat.«

Das Cottage sah von außen nicht sonderlich einladend aus. Gebaut aus groben grauen Natursteinen duckte es sich unter seinem schwarzen Reetdach zwischen dichtes Gestrüpp und halb kahle Herbstbäume. Von den Rahmen der Sprossenfenster blätterte die Farbe und die Fensterläden hingen windschief in rostigen Angeln. Die Eingangstür wirkte ähnlich in die Jahre gekommen, daher war das elektronische Zahlenschloss daran ein echter Stilbruch und in der realen Welt wäre sicherlich kein Mensch auf die Idee gekommen, diese halb verfallene Hütte so topmodern zu sichern. Doch hier, in der Welt von Yonderwood, war ein Zahlenschloss schlichtweg praktischer als alle Gruppenmitglieder mit Schlüsseln auszustatten, die verloren gehen konnten.

»Hm, dann hoffen wir mal, dass es drinnen ein bisschen netter ist als hier draußen«, meinte Will nach der ersten Bestandsaufnahme und trat an die Tür.

»Zwei – null – drei – neun«, las Zack für alle von seinem Zettel vor und Will gab den Code ein. »Das neue Jahr. Kann man sich zumindest leicht merken.« Er knüllte den Zettel zusammen und steckte ihn in die Hosentasche.

Sie traten ein und fühlten sich wie in eine andere Zeit zurückversetzt. Die Eingangstür führte direkt in den Wohnraum des kleinen Cottages, dessen Decke und Wände weiß gestrichen und mit dunklen Stützbalken durchzogen waren. Der Boden bestand aus ausgetretenen Holzdielen, die unter ihren Füßen knarzten und über die zwei verblichene Flickenteppiche gelegt worden waren. Die linke Hälfte des Wohnraums wurde fast vollständig von einem riesigen Holzfeuerherd und einem alten Spülbecken in Beschlag genommen, während an der Wand daneben eine klobige Anrichte stand, über der Regale hingen, in denen Gläser, Teller, Tassen und kleine Schüsseln gestapelt waren. An Haken hingen zwei Töpfe und eine Pfanne sowie Schöpflöffel, Pfannenwender und ein leicht verbeultes Sieb. Außerdem gab es noch einen Holztisch mit sechs Stühlen, ein abgewetztes Sofa mit einer ausgedienten Obstkiste als Beistelltischchen und neben einem der Fenster thronte ein wuchtiger Ohrensessel mit verblasstem Blümchenmuster.

»Schräg. Aber irgendwie cool«, befand Charlie. »Und definitiv netter als von außen.« Sie öffnete eine Tür und trat ins angrenzende Schlafzimmer. »Oh … okay. Gut, dass wir uns alle so lieb haben.« Das Grinsen in ihrer Stimme war nicht zu überhören. »Die Privatsphäre muss hier nämlich leider draußen bleiben. Für die ist kein Platz mehr.«

Die anderen folgten ihr. Das Zimmer war klein und zweckmäßig. Ähnlich wie im Wohnraum waren Wände und Decke weiß mit dunklen Balken und auf dem Holzboden lagen bunte Flickenteppiche. Drei Etagenbetten waren möglichst platzsparend an drei der Wände aufgestellt worden, dazwischen hatte man zwei schmale Bauernschränke sowie eine Kommode gequetscht, um den Spielern die Möglichkeit zu geben, ihre Kleidung zu verstauen.

»Romantik hat hier wirklich nicht viel Platz«, stellte Will fest. »Hat eher was von Jugendherberge. Aber zum Schlafen reicht es.« Er wandte sich zu Jemma um. »Willst du nach oben oder nach unten?«

»Nach oben.« Sie ging durchs Zimmer, klopfte auf eins der Betten und Will warf seinen Rucksack auf die untere Matratze.