Leseprobe The Secrets of Yonderwood Seite 7

 

Kapitel 2

Das Glück hatte jedoch ein Einsehen: Black Death, die drei Amerikaner, verschwanden mit den Pioneers, während Jemma, Charlie und die Jungs sich mit drei Mädchen, die sich Jinxed Junction nannten, vor einem klapprigen VW-Bus wiederfanden.

»Na, was sind wir froh, dass ihr nicht die Truppe von diesem nervigen Ami seid«, grinste eine große Dunkelhaarige mit Rastalocken und Piercings in Augenbraue, Nase, Ohren und Lippe.

»Danke, gleichfalls«, grinste Jemma zurück und warf ihren Rucksack in den Bus.

»Keine Ahnung, ob ihr auf diesen ganzen Rollenspiel-in-character-Kram steht, aber wir sind Keira, Paige und Shay.« Die Dunkelhaarige wies auf die anderen beiden Mädchen und zuletzt auf sich selbst. »Sowohl im Spiel als auch außerhalb.«

Keira war ebenfalls dunkelhaarig, trug ganz ähnliche Piercings, allerdings keine Rastalocken, sondern nur einige geflochtene Strähnen in den Haaren und schien die jüngste der drei zu sein. Paige war wie Shay recht groß und sportlich und trug ihre blau gefärbten Haare in Cornrows, an deren Enden bunte Perlen klimperten. Beide hoben die Hand zum Gruß.

»Hi.«

»Hi. Wir sind Jemma, Will, Ned, Zack, Jamie und ich bin Charlie. Auch sowohl im Spiel als auch in echt.« Charlie warf ihre Tasche zu Jemmas. Dann wandte sie sich zum Fahrer des VW-Busses. »Und wer sind Sie?«

»Fletcher«, blaffte es ihr durch einen zotteligen Bart, buschige Augenbrauen und ebensolches Haupthaar entgegen. »Und jetzt macht, dass ihr in den Wagen kommt. Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit, verzogene Rotzgören vom Bahnhof abzuholen und durch die Gegend zu kutschieren!«

»Na, hoppla!« Verdutzt über die schroffe Ansage zog Charlie eine Augenbraue hoch. »Und jetzt noch mal und zwar in freundlich?«

Paige lachte. »Vergiss es. Offensichtlich haben wir das große Los gezogen und dürfen uns vom Dorfmuffel ins Spiel karren lassen.«

»Steigt endlich ein, Mann!«

Sie folgten Fletchers liebenswürdiger Aufforderung und kaum dass Will die Tür zugezogen hatte, trat der alte Griesgram auch schon kräftig aufs Gaspedal.

»Was ist eure Geschichte im Spiel?«, fragte Ned die drei Mädchen, während sie auf einer schmalen Straße durch den Winterwald auf die riesige weiße Kuppel zusteuerten. »Warum seid ihr hier?«

»Wir sind drei fürsorgliche Enkelinnen, die ihrer Grandma zu Hilfe eilen«, erzählte Keira. »Yonderwood stirbt seit Jahren aus. Viele Familien sind schon weggezogen, weil immer wieder seltsame Dinge im Ort und in den umliegenden Wäldern passieren. Bisher wollte Granny ihre Heimat nicht verlassen, aber in letzter Zeit nehmen die Schrecken im Dorf immer mehr zu und jetzt hält sie es einfach nicht mehr aus. Deshalb sind wir gekommen, um ihr beim Umzug zu helfen.«

Paige grinste. »Und natürlich werden wir dabei ganz nebenbei die Geheimnisse dieses gottverlassenen Ortes lüften.«

»Coole Geschichte.« Jemma musterte die drei. »Seid ihr wirklich Schwestern?«

Shay deutete auf Keira. »Halbschwestern.« Sie nahm Paiges Hand und verschränkte ihre Finger ineinander. »Paige ist meine Freundin.«

»Und was ist mit euch?« Paige nickte zu Jemma und Jamie. »Ihr zwei seid auf jeden Fall Geschwister. Ihr seht euch unglaublich ähnlich.«

Jamie nickte. »Zwillinge.«

»Echt? Wie cool!« Shay sah zu Will und Ned. »Und ihr beiden seid sicher Brüder, stimmt’s?«

»Yep.«

»Und was ist eure Geschichte?«, fragte Keira. »Wieso kommt ihr nach Yonderwood?«

»Wir sind Studenten des Okkulten und der Parapsychologie.« Zack gab sich Mühe, todernst und würdevoll zu klingen.

Keira, Paige und Shay lachten auf.

»Was?! Wie schräg ist das denn bitte? Wer studiert denn so einen Schwachsinn?«

»Wir anscheinend«, gab Zack grinsend zu. »Unser Prof beobachtet die seltsamen Vorkommnisse im Dorf schon eine ganze Weile und jetzt hat er seine sechs begabtesten Lieblingsstudenten zu sich bestellt, damit wir ihm bei seinen Nachforschungen zur Hand gehen.«

»Dann seid ihr also so was wie paranormale Oberstreber?«, stöhnte Paige. »Na, das kann ja heiter werden.«

Alle lachten.

»Wie Studenten seht ihr übrigens noch nicht aus«, befand Shay. »Seid ihr wirklich schon aus der Schule raus?«