Leseprobe The Secrets of Yonderwood Seite 4

 

»Keine Sorge«, sagte Jemma. »Klamottenmäßig sind wir gut ausgerüstet.«

»Prima.« Melissa gab etwas in ihren Computer ein und nickte dann zufrieden. »Von meiner Seite aus war das ein erfolgreiches Einchecken. Ihr habt zwar vermutlich noch jede Menge Fragen, aber die klären sich gleich in der Einführung.« Sie deutete zum Ende der kleinen Bahnhofshalle. »Hinten links geht es nicht Zu den Zügen, sondern zu den anderen. Ich wünsche euch ganz viel Spaß und hoffe, ihr werdet die vielen kleinen Geheimnisse von Yonderwood lüften – und wieder heil aus der Kuppel herauskommen.« Sie zwinkerte ihnen gutgelaunt zu.

»Danke!«, strahlte Charlie. »Fürs nette Einchecken gibt’s bei der Bewertung jedenfalls schon mal die volle Punktzahl.«

Melissa lachte. »Danke. Freut mich, wenn es euch gefallen hat.«

Die sechs wollten gerade Melissas Anweisungen nachkommen und dem Schild Zu den Zügen folgen, als drei junge Typen in die Eingangshalle einfielen. Sie mochten Anfang zwanzig sein, waren unüberhörbar Amerikaner und brachten eine Wolke aus Zigarettengestank mit sich. Als Zack und Jamie ihnen nicht schnell genug auswichen, rempelte ein großer Blonder sie beiseite, als wäre der Bahnhof sein Alleinbesitz.

»Hey, ihr Nullen, macht gefälligst Platz für die VIPs! Wir sind hier auf besondere Einladung der Geschäftsführung.«

Geistesgegenwärtig hielten Ned und Will Jamie fest, damit er nicht sein Gleichgewicht verlor, während Zack den Rowdy mit einem finsteren Blick durchbohrte.

»Alles klar, Prinz Peinlich. Hat dich keiner eingeweiht? Die Einladung von BeastyEnterprise hat jeder hier bekommen, also spiel dich nicht so auf, klar?«

Der Typ hielt inne, musterte Zack abschätzig von oben bis unten und baute sich dann provozierend vor ihm auf. »Kleiner, redest du mit mir?«

Unbeeindruckt bot Zack ihm die Stirn. »Ungern. Ließ sich gerade aber leider nicht vermeiden.« Damit ließ er ihn stehen und ging mit den anderen Zu den Zügen.

 

Der Gang führte sie zu einer hochmodernen Sicherheitsschleuse, die ähnlich wie Melissas Schalterhäuschen nicht wirklich in das leicht schmuddelige und in die Jahre gekommene Ambiente der Yonderwood Railway Station passte. Aber Sicherheit hatte oberste Priorität und niemand wollte riskieren, dass jemand Sprengstoff, Waffen oder Drogen in einen Vergnügungspark schmuggeln konnten.

Nachdem die sechs die Schleuse passiert hatten, bekamen sie einen Spind zugewiesen, in dem sie Handys, Autoschlüssel und Geldbörsen einschließen konnten, und wurden weiter zur Gepäckausgabe geschickt, wo ihre überprüften Taschen bereits auf sie warteten.

»Den Gang runter, rechts die große Tür«, wies ihnen ein Mitarbeiter den weiteren Weg. »Ich wünsche euch eine schaurig schöne Zeit in Yonderwood.«

»Danke!«

Sie folgten dem Gang und traten durch die Tür in einen Raum, der der Eincheckhalle des Bahnhofs sehr ähnlich war: abgenutzte Fliesen auf dem Boden, vergilbte Werbeposter an den Wänden, altertümliche Lampen an der Decke. Im Gegensatz zur Eingangshalle leuchteten diese jedoch ohne zu flackern und in der Mitte der kleinen Halle standen deutlich mehr Wartebänke. Und die waren gut besetzt. An die achtzig überwiegend junge Leute saßen in kleinen Gruppen zusammen, lachten, quatschen und fieberten dem entgegen, was sie in den nächsten drei Tagen erwartete.

»Also ich finde, die haben das hier wirklich cool gemacht.« Beeindruckt sah Charlie sich im Raum um und nahm ihre Mitspieler unter die Lupe, während sie Will und Jemma folgte, die sich zu zwei freien Bänken durchschlängelten. »Ich bin echt gespannt, wie das Ganze ablaufen wird.« Sie kickte ihre Tasche unter die Bank und setzte sich neben Jemma.

»Na, ein bisschen was werden die zwei uns wohl gleich verraten.« Jemma deutete zur Stirnseite der kleinen Halle, wo auf einem Podium zwei weitere Mitarbeiter neben einem Tisch standen, auf dem eins der Armbänder, ein Gürtel und CyberSpecs lagen. Im Gegensatz zu den bisherigen Mitarbeitern trugen diese beiden aber keine Bahnuniformen, sondern schlichte schwarze Jeans. Er mit einem weißen Hemd, sie mit weißer Bluse, beide mit BeastyEnterprise-CyberPark-Logo auf der linken Brusttasche, Tablets in den Händen und Headsets im Ohr. Als die drei Amerikaner, die nach ihnen zum Einchecken gekommen waren, durch den Seiteneingang in die Halle traten, sah Jemma, wie die beiden auf dem Podium etwas auf ihren Tablets überprüften, dann einen Blick tauschten und sich zunickten. Der Mann tippte an sein Headset und aktivierte damit offensichtlich ein Mikrofon, denn Augenblicke später erklang seine Stimme im gesamten Raum und sorgte sofort dafür, dass das Geplauder erstarb und Ruhe eintrat.