Leseprobe The Secrets of Yonderwood Seite 12

 

»Was passiert, wenn wir in der Cyberwelt sterben?«, fragte Ned.

Grayson sah in die Runde. »Ich hoffe, ihr seid ein so gutes Team, dass das nicht passiert. Ihr könnt im Dorf Heilmittel kaufen, um euch selbst oder einander zu heilen, wenn ihr im Kampf verletzt werdet. Wir setzen hier im Spiel auf Kooperation und Zusammenhalt, und wenn ihr nicht leichtsinnig seid oder euch völlig ungeschickt anstellt und stattdessen auf euch aufpasst und einander helft, dann muss keiner sterben. Sollte es dennoch passieren, scheidet der Spieler aus der Quest aus und euer gesamtes Team hat das Nachsehen.« Er grinste bedeutungsvoll. »Zum Beispiel in Form von kalten Duschen.«

»Okay.« Auch Ned grinste.

Ihr Professor sah erneut von einem zum anderen. »Habt ihr sonst noch Fragen zum Haus? Informationen zum Übergang in die Cyberwelt bekommt ihr später noch, wenn ihr eure Ausrüstung besorgt habt und die ersten Quests für euch freigeschaltet werden.«

»Funktioniert der Stromgenerator genau wie der Ofen?«, erkundigte sich Will. »Auch alles nur gefakt?«

»Ja. Der Generator steht hinter dem Haus. Diesel – das heißt, speziell gefärbtes Wasser – bekommt ihr im Dorf. Sobald ihr den Generator aufgefüllt habt, wird es im System registriert und ihr habt Strom. Und auch der wird für die kompletten drei Tage reichen.«

»Okay, ich denke, dann waren das unsere Fragen.« Will sah zu den anderen und sie nickten. Ihre nächsten Schritte waren klar: Sie mussten ins Dorf gehen, bei diesem George Ausrüstung und Waffen kaufen, Verpflegung und Diesel besorgen und dann zum Holzsammeln in die Cyberwelt.

»Gut, dann bleibt nur noch eins.« Grayson rief eine ID auf seinem Display auf und blickte dann zu Jamie. »Du bist James, nicht wahr?«

Jamie nickte und seufzte innerlich. Er wusste, was jetzt kommen würde.

»Ich weiß, dass du ein Handicap hast.«

Wieder nickte Jamie. Bei seiner Anmeldung zu Yonderwood hatte er seine Behinderung angeben müssen, doch man hatte ihm versichert, dass seine körperliche Beeinträchtigung in der LiveAction kein großartiges Problem darstellen würde. Und in der CyberWorld sowieso nicht.

Grayson schenkte ihm ein Lächeln. »Ich bin mir sicher, du weißt selbst am besten, was und wie viel du dir zutrauen kannst, und du hast deine Freunde bei dir, falls du Hilfe brauchst. Sollte trotzdem mal irgendetwas sein, zögere nicht, uns um Hilfe zu bitten. Unser Team weiß darüber Bescheid, dass wir in dieser Spielrunde jemanden mit einem Handicap haben, und du kannst jederzeit einen der GameGuides ansprechen, falls du bei irgendetwas Hilfe benötigen solltest.«

»Okay, danke.« Jamie rang sich ein freundliches Lächeln ab. Diese Art Aufmerksamkeit war ihm immer unangenehm, doch zum Glück schien Grayson aus dem Ganzen keine allzu große Sache machen zu wollen, denn er nickte bloß und gab dann etwas in das kleine Display seines Armbands ein.

»Ich erscheine ab jetzt als gelber Punkt auf eurer Karte von Yonderwood. So könnt ihr mich schnell und einfach finden. Wenn ihr mit mir sprechen wollt, wählt mich in der Kontaktliste aus. Das Display funktioniert dann wie ein Handy auf Freisprechfunktion. Genauso funktioniert auch der Notruf. Falls sich einer von euch während der LiveAction verletzt, findet ihr für kleinere Blessuren in einem der Badezimmer eine Erste-Hilfe-Box. Sollte euch etwas Schlimmeres zustoßen, wählt in der Kontaktliste den Notruf, dann werdet ihr mit der Überwachungszentrale verbunden. Aber ich bin mir sicher, so was wird nicht passieren«, fügte er dann hinzu und schaute noch einmal zu Jamie. »Ich bin in dieser Spielrunde einer der GameGuides, die die kompletten drei Tage mit euch in der Kuppel sind. Wenn also irgendwas ist, meldet euch. Ich bin Tag und Nacht erreichbar.«

»Danke.« Wieder lächelte Jamie höflich, wollte damit das Thema aber dann auch wirklich abhaken. »Ich bin mir sicher, ich krieg das alles hin.«

Grayson erwiderte sein Lächeln und nickte. »Ja, das denke ich auch.«

Zack nahm Jamies Hand und drückte sie kurz. »Ich schätze, Sie verraten uns nicht schon mal ein kleines bisschen was über die seltsamen Dingen, die hier im Dorf vor sich gehen?«, fragte er an den Professor gewandt, um das Thema zu wechseln und Jamie weitere ungewollte Aufmerksamkeit zu ersparen.

Verschmitzt schüttelte Grayson den Kopf, schlüpfte zurück in seine Rolle und sah plötzlich ganz hektisch auf seine Armschelle. »Oh, du meine Güte! So spät schon?! Ich fürchte, alle weiteren Erklärungen müssen wir leider auf morgen vertagen. Ich darf meinen Informanten nicht verpassen. Kommt morgen Vormittag um elf in die Gemeindebibliothek des Pfarrhauses. Dort weihe ich euch dann in das ein, was ich über Yonderwood und seine düstere Geschichte bereits erfahren habe.« Er ging zur Tür, drehte sich auf der Schwelle jedoch noch einmal um. »Aber, wer weiß? Vielleicht findet ihr bis dahin ja sogar selbst schon das ein oder andere heraus.« Er zwinkerte ihnen zu, wurde dann aber wieder ernst. »Passt aber auf jeden Fall gut auf euch auf. In den Wäldern ist es gefährlich und selbst hier im Dorf ist man nicht immer sicher. Seid also um Himmels willen vorsichtig!«

»Sind wir«, versicherte Jemma.

»Gut. Dann sehen wir uns morgen.«

»Ja. Bis morgen!«

Der Professor zog die Tür hinter sich zu und durchs Fenster sahen sie, wie er in Richtung Dorf verschwand.

»Sieht so aus, als wären wir jetzt endgültig fürs Spiel bereit, oder?« Jamies Augen leuchteten. »Wer hat Lust auf einen kleinen Erkundungsgang ins Dorf?«

 

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CyberWorld 4.0: The Secrets of Yonderwood