Leseprobe The Secrets of Yonderwood Seite 11

 

»Das passt schon«, versicherte Jemma.

»Allerdings gibt es kein heißes Wasser und keinen Strom«, meinte Charlie. Das hatten sie bei der Inspektion ihres Hauses bereits festgestellt. »Aber das ist vermutlich Absicht?«

Grayson lächelte entschuldigend. »Ja, tut mir leid, aber ich war so in meine Nachforschungen vertieft, dass ich versäumt habe, euch mit Vorräten, Holz und Diesel zu versorgen.«

Die sechs tauschten erwartungsfrohe Blicke. Klang ganz so, als würden das ihre ersten Quests im Spiel werden.

»Dann sollen wir uns vermutlich zuerst um diese Dinge kümmern, bevor wir Ihnen bei Ihren Nachforschungen helfen?«, fragte Ned nach.

Der Professor nickte und schaute ernst von einem zum anderen. »Etwas sehr, sehr Seltsames geht in dieser Gegend vor sich und alle Spuren scheinen hier ins Dorf zu führen. Leider sind die meisten Dorfbewohner ziemlich verschlossen, aber trotzdem habe ich ein paar Dinge entdeckt –« Er brach ab, blickte plötzlich leicht gehetzt auf seine Uhr und schüttelte den Kopf. »Tut mir leid, ich habe jetzt bedauerlicherweise nicht viel Zeit für euch. Ich treffe gleich noch jemandem, der mir hoffentlich ein paar entscheidende Informationen geben kann, die mir noch fehlen.« Wieder schaute er von einem zum anderen. »Ich hoffe, ich kann euch morgen in alles einweihen, was ich herausgefunden habe. Heute solltet ihr euch zunächst um eure Vorräte und alles, was ihr hier im Haus braucht, kümmern. Und um eure Ausrüstung, denn ich fürchte, hier sind dunkle Kräfte am Werk, für die wir mächtige Waffen brauchen werden. Sehr mächtige Waffen.«

»Okay.« Jamie spürte, wie Erwartung und Vorfreude immer heftiger zu kribbeln begannen. »Und wo kriegen wir die her?«

»Von George. Er hat mich hergerufen und um Hilfe gebeten und seit ich hier im Dorf bin, ist er mir ein guter Freund geworden. Er kennt sich in unserem Metier aus und kämpft schon sein ganzes Leben lang gegen die dunklen Mächte, die sein Dorf heimsuchen und immer stärker zu werden scheinen. Ihm könnt ihr hundertprozentig vertrauen und er wird euch mit allen Waffen ausstatten, die ihr beim Kampf gegen das Böse braucht.«

»Und wo finden wir ihn?«, fragte Zack.

»Fragt im Dorfladen neben dem Gasthof nach ihm. Wenn ihr ihm sagt, dass ich euch schicke, wird er euch einen guten Preis machen. Dennoch werden die Waffen nicht billig sein, denn echte Wertarbeit hat nun mal ihren Preis, und ich weiß, dass ihr als Studenten recht knapp bei Kasse seid.« Grayson seufzte bedauernd und deutete zum Holzofen. »Das Holz zum Kochen und Heizen solltet ihr euch deshalb vielleicht lieber im Wald suchen. Ihr könnt es auch im Dorfladen oder bei einem der Bauern kaufen, aber wenn ihr selbst sammeln geht, spart ihr Geld, denn ihr müsst ja auch noch Diesel für den Generator und Verpflegung für euch kaufen.«

»Holz sammeln hört sich prima an«, sagte Will.

Jamie grinste. Es hörte sich auf jeden Fall nach einer Quest im Cybernetz an und die würde todsicher actionreicher ausfallen als eine simple Shoppingtour durch die Dorfläden.

»Gut.« Grayson sah eindringlich in die Runde. »Aber bevor ihr in den Wald geht, solltet ihr euch unbedingt bei George ausrüsten. Die Wälder sind gefährlich und dort gehen Dinge um, denen ihr auf gar keinen Fall unbewaffnet über den Weg laufen solltet.«

»Das heißt dann wohl, das Holzsammeln findet in der CyberWorld statt?«, vergewisserte Jamie sich.

Grayson nickte.

Bingo!

»Und wie funktioniert das dann?« Ned deutete auf den leeren Holzkorb, der vor ihrem Ofen stand. »Füllt er sich von Geisterhand, wenn wir die Quest im Cybernetz abgeschlossen haben, und wir können uns dann ein Feuer anzünden?«

»So ungefähr.«

Ihr Professor trat an den Ofen, öffnete die Feuerklappe und sie erkannten erstaunt, dass dahinter ein Bildschirm erschien und keine Feuerstelle.

»Ihr seid hier in einer Spielwelt«, sagte Grayson und verließ für die weiteren Erklärung seine Rolle als Parapsychologieprofessor. »Wir haben zwar versucht, unter der Kuppel alles so echt und authentisch wie möglich zu gestalten, aber bei manchen Dingen schieben uns Sicherheitsbestimmungen und Brandschutzverordnung leider einen Riegel vor.« Er wies auf den Ofen und den Bildschirm. »Offenes Feuer ist unter der Kuppel nicht erlaubt, daher bleibt das Holz, das ihr virtuell in der Cyberwelt sammelt, auch hier nur virtuell. Wenn ihr die Quest antretet, bekommt jeder von euch einen Korb zum Sammeln. Ihr müsst keine Bäume fällen, nur Äste aufsammeln. Wenn ihr erfolgreich seid, registrieren eure Armschellen das – sowohl die in der CyberWorld als auch die in der LiveAction – und melden es dem Zentralcomputer, von dem aus alles hier im Spiel gesteuert wird.« Grayson zeigte auf den Monitor. »Der Bildschirm wird dann aktiviert und zeigt euch ein Feuer. Solange es brennt, könnt ihr die Herdplatten benutzen, die Hütte wird beheizt und das heiße Wasser wird freigeschaltet.«

»Und wenn das Feuer ausgeht?«, fragte Charlie.

»Dann wird es kalt. Aber keine Sorge, wenn es jeder von euch mit seinem gefüllten Holzkorb aus dem Wald herausschafft, habt ihr ausreichend Holz für euren gesamten Aufenthalt.« Grayson zwinkerte ihr gutgelaunt zu. »Wir haben genug andere Dinge für euch zu tun, um euch nicht jeden Morgen dieselbe Quest spielen zu lassen. Ihr müsst nur den Bildschirm im Ofen im Auge behalten und auf Holz nachlegen klicken, wenn die Flammen heruntergebrannt sind. Vergesst ihr es, wird es kalt. Und falls es nicht jeder von euch mit seinem Holz aus dem Wald herausschafft, werdet ihr euch mit der ein oder anderen kalten Dusche anfreunden müssen.«

Alle verzogen die Gesichter, grinsten aber. Das Wechselspiel zwischen Erfolgen in der CyberWorld und Belohnungen in der LiveAction hörte sich nach coolen Herausforderungen an – legte aber auch eine nicht unwichtige Frage nahe.