Leseprobe The Secrets of Yonderwood Seite 10

 

Jemma öffnete die beiden Türen am Ende des Raums. »Badezimmer. Ziemlich klein, aber okay.«

Jamie nahm eins der anderen beiden Betten in Beschlag und setzte sich. Die Matratze fühlte sich neu an und die Bettwäsche war sauber und roch frisch. »Von außen sieht die Hütte völlig heruntergekommen aus, aber hier drin ist es nur auf alt und abgewohnt gemacht.«

Zack trat zu ihm und ließ ihre Tasche zu Boden plumpsen. »Vermutlich müssen sie einen gewissen Standard in den Unterkünften einhalten, weil das durch irgendwelche Gastgewerberegeln so vorgeschrieben ist.« Er wies auf die beiden Türen. »Wenn das hier ein echtes Uralt-Cottage wäre, hätten wir mit Sicherheit keine zwei Badezimmer.«

»Na, dann danke an die Gastgewerberegeln!« Charlie hatte ihre dicke Winterjacke in einen der Kleiderschränke gehängt und zog jetzt ihre Reisetasche auf, um Jeans und Pullis auszupacken. »Hätten wir mit sechs Leuten nur ein Badezimmer, wäre der Stau beim Duschen morgens die Hölle.«

Mit einem herzzerreißenden Seufzen kramte Jemma ihren Kulturbeutel aus ihrem Rucksack. »Okay, ich opfere mich freiwillig und teile mir ein Bad mit Jamie und Zack. Den Kummer bin ich schließlich von zu Hause schon gewöhnt.«

Empört pfefferte Zack sein Kopfkissen nach ihr, verfehlte aber, weil Jemma sich bereits kichernd in eins der Badezimmer geflüchtet hatte.

 

Sie verstauten ihre Klamotten in Schränken, Kommode und Badezimmern, tauschten Anoraks gegen Pullover und Trainingsjacken und legten ihre Ausrüstungsgürtel um.

»Okay, erster Kritikpunkt: Gürtel mit Universalgrößen sind Käse.« Jamie hatte die Schnalle ins letzte Loch gehakt, trotzdem hing sein Gürtel ihm ziemlich lose um die schmalen Hüften.

»Yep. Absolut«, stimmte Jemma zu. Auch bei ihr saß das Ding reichlich locker.

Schnaubend schüttelte Charlie den Kopf. »Euch zwei Hungerhaken kann man aber kaum als Maßstab nehmen.« Sie betrachtete die beiden stirnrunzelnd. »Keine Ahnung, was Mutter Natur sich generell bei Zwillingen gedacht hat, aber aus euch hätte sie mal besser nicht zwei gemacht.«

Mit einem empörten Lachen boxte Jemma ihrer besten Freundin in die Seite. »Und für wen von uns beiden hätte Mutter Natur sich dann entscheiden sollen?«

Charlie verzog das Gesicht und rieb sich die Rippen. »Süße, das fragst du mich ernsthaft, nachdem du mir gerade die Rippen gebrochen hast?«

»Ich glaube, deine Rippen sind gut genug gepolstert, dass wir uns um die keine Sorgen machen müssen«, gab Jemma stichelnd zurück.

»Tja, wer hat, der hat.« Charlie strich über ihre Kurven und streckte Jem die Zunge heraus. »Neidisch?«

Jemma wollte etwas erwidern, doch lautes Klopfen an der Haustür ließ alle zusammenfahren.

»Himmel«, stöhnte Charlie. »Geht ja schon gut los. Wir haben die gruseligen Parts in dieser Geschichte noch nicht mal gestreift und ich hab jetzt schon den ersten Herzinfarkt.«

Mit einem bösen Grinsen knuffte Jamie ihr gegen die Schulter, als sie alle in den Wohnraum hinübergingen. »Weichei!«

Sie revanchierte sich – vorsichtiger, da er ohne Krücken unterwegs war – mit einem Zwicken in seinen Oberarm. »Fiesling!«

Mit einem deutlich hörbar gemurmelten »Kindergarten …« schob Will sich an den beiden vorbei und fing sich dafür zwei Fäuste in den Rücken ein. Grinsend trat er an die Haustür und zog sie auf. »Ja, bitte?«

»Wie gut, dass ihr endlich hier seid!« Ein leicht untersetzter Mann um die vierzig mit braunem Haar und Dreitagebart trat zu ihnen in die Hütte. Er trug Jeans, Hemd und Jackett, die allesamt ein wenig verknittert und mitgenommen aussahen. Unter seinem linken Ärmel guckte das Hightech-Lederarmband hervor und um seine Hüfte lag der Gürtel mit den CyberSpecs und einer Taschenlampe.

»Ehm – Professor Grayson?«, fragte Will.

Ein knappes Nicken, dann spielte ihr GameGuide seine Rolle weiter. »Hattet ihr eine gute Anreise?« Er machte eine Geste zu Sofa und Tisch und alle suchten sich einen Platz.

»Ja, danke der Nachfrage.« Zack setzte sich neben Jamie an den Esstisch. »Fletcher war ein echter Schatz und konnte sich vor Freude kaum halten, als er uns herkutschieren durfte.«

Grayson nahm ihnen gegenüber Platz und ein Lächeln huschte über sein Gesicht. »Ja, Fletcher ist ein wenig – speziell. Habt ihr euch schon eingerichtet? Ich fürchte, dieses Cottage ist kein Fünf-Sterne-Hotel, aber hier in Yonderwood gibt es nicht viele Fremdenunterkünfte. So abgeschieden, wie das Dorf liegt, verirren sich kaum mal Touristen hierher. In den letzten Jahren schon gar nicht. Nicht sehr anheimelnd, diese Gegend. Selbst viele Bewohner sind mittlerweile weggezogen, weil sie es hier nicht mehr aushalten, deshalb stehen viele Häuser leer. Eins der besseren Cottages habe ich euch als Bleibe organisieren können. Ich hoffe, ihr kommt hier zurecht.«