Leseprobe House of Nightmares Seite 6

 

»Na klar.«

Jamie verkniff sich nur mit Mühe ein Stöhnen, als Ned seine Arme um ihn legte und ihm auf die Beine half. Wacklig stützte er sich auf die Küchenzeile. Ihm war ein bisschen übel und zu tiefes Atmen fand seine linke Seite nicht besonders toll.

Ned musterte ihn besorgt. Jamie sah blass aus und dass er Schmerzen hatte, war auch nicht zu übersehen, doch bevor er etwas sagen konnte, kehrte Max in die Küche zurück.

»Ich habe Russell Grand zur Tür begleitet und sichergestellt, dass er das Grundstück verlässt. Die Wahrscheinlichkeit, dass er noch einmal Unfrieden stiften wird, strebt gegen Null.«

Jamie lächelte matt. »Danke.« Dann wurde sein Blick ernst. »Max, das ist ein direkter Befehl: Du sagst niemandem, was hier gerade passiert ist. Weder dass Russell und ich gestritten haben noch dass er handgreiflich geworden ist. Bestätige das.«

Der Hightechhausmann sah ihn ruhig an. »Bestätigt.«

»Wenn dich jemand fragt, wo Russell ist, sagst du, dass er gegangen ist. Warum, weißt du nicht. Bestätige das.«

»Bestätigt.«

»Gut, danke«, seufzte Jamie. »Für alles andere gilt wie sonst dein freier Wille.« Damit entließ er seinen Roboter wieder in die Selbstständigkeit.

»Verstanden.« Statt seine Aufgaben im Haushalt wieder aufzunehmen, scannte Max ihn einen Moment lang intensiv, dann sagte er: »Die stumpfe Gewalteinwirkung auf deinen linken Brustkorb hat glücklicherweise nicht zu Brüchen deiner Rippen geführt und deine Wirbelsäule wurde weder durch den Sturz noch durch die Schläge in Mitleidenschaft gezogen.«

Jamie schloss die Augen und atmete erleichtert auf.

»Dennoch liegt zu 99,98% eine Rippenprellung vor. Diese Verletzungsart wird als äußerst schmerzhaft beschrieben und es ist mit der Bildung eines Hämatoms zu rechnen. Als Behandlungsmöglichkeiten sind Kühlung sowie das Einreiben der betroffenen Stelle mit einer diclofenachaltigen Salbe vermerkt, außerdem Schonung und bei Bedarf die Einnahme von Schmerzmitteln. Du solltest dich also hinlegen und ich bringe dir ein Kühlpad und die entsprechende Salbe aus unserer Hausapotheke.«

Jamie schüttelte den Kopf. »Danke, Max, aber so schlimm ist es wirklich nicht.« Er nahm seine Krücken. »Ich setz mich einfach auf die Terrasse und ruh mich da aus. Das reicht völlig.«

»Wie du meinst. Melde dich, falls du deine Meinung ändern solltest.« Damit wandte Max sich wieder dem Ausräumen der Spülmaschine zu.

Jamie stützte sich auf die Krücken und machte vorsichtig die ersten Schritte. Seine Rippen schmerzten dabei deutlich mehr, als ihm lieb war, aber ihm war nichts Ernsthaftes passiert und das war alles, was zählte. Also biss er die Zähne zusammen und ging langsam mit Ned hinüber ins Wohnzimmer.

»Bist du sicher, dass du dich nicht doch lieber hinlegen willst?«

»Ja, ganz sicher.« Jamie hielt an und sah zu ihm auf. »Sag den anderen bitte nicht, was passiert ist, okay?«

Ned atmete tief durch und erwiderte seinen Blick ernst. »Ich finde, Zack sollte wissen, was Russell getan hat. Das war kein blödes Anmachen mehr, Jamie, er ist dir gegenüber handgreiflich geworden und damit hat er ganz eindeutig eine Grenze überschritten. Das sollte Zack wissen. Außerdem wird er spätestens morgen den Bluterguss auf deinen Rippen sehen und wissen wollen, wo du den her hast. Willst du ihn dann anlügen, nur um ihm sein Basketballspiel nicht zu vermiesen? Glaubst du wirklich, er würde mit Russell noch in einem Team spielen wollen, wenn er wüsste, was der gerade eben getan hat?«

Jamie biss sich auf die Unterlippe und schüttelte den Kopf. »Nein, sicher nicht. Ich werd ihm sagen, was passiert ist. Aber nicht jetzt. Ich will ihm seine Party nicht wegen einem Dreckskerl wie Russell kaputtmachen.« Damit war das Thema für ihn erledigt und er ging hinaus in den Garten.

Ned sah ihm hinterher, wie er die Terrasse betrat und sich zu den Mädchen in die Sitzecke setzte, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Seufzend griff Ned eine Schüssel mit Popcorn vom Esstisch und folgte ihm.

 

 

Gute zwei Stunden später lag Jamie im Bett und hörte zu, wie Zack im Badezimmer herumhantierte und sich die Zähne putzte. Es war spät geworden und auch ohne das dumpfe Pochen in seinen Rippen hatte er das Gefühl, jeder einzelne Muskel in seinem Körper tat weh. Doch er wusste, dass das Schmerzmittel, das er gerade geschluckt hatte, bald wirken würde, und solange er ruhig auf dem Rücken lag, ließ sich die Zeit bis dahin ganz gut ertragen.

Das Wasserrauschen stoppte und kurz darauf erschien Zack im Zimmer, zog die Tür hinter sich zu und kroch zu ihm ins Bett.

»Die Party war klasse«, gähnte er glücklich. »Erinnere mich morgen daran, dass ich deinem Dad noch das Geld für die Pizza geben muss.«

»Spinnst du? Er wird mit Sicherheit kein Geld von dir nehmen.«