Leseprobe House of Nightmares Seite 5

 

Auch wenn er wusste, dass es ein Fehler war, merkte Jamie, wie seine Beherrschung sich endgültig von ihm verabschiedete. Er pfefferte das Handtuch in die Spüle und fuhr zu Russell herum.

»Okay, tut mir leid, dass ausgerechnet ich es bin, der dir das sagen muss, aber die Dinge, von denen du keine Ahnung hast, würden selbst die Datenbanken bei Google sprengen! Außerdem solltest du nicht immer von dir auf andere schließen! Nur weil du in mir nichts als einen mickrigen Krüppel siehst, sind andere nicht genauso blind und blöd. Zack schon gar nicht! Und wenn hier jemand armselig ist, dann bist du es! Du bist nichts weiter als ein sexuell unterzuckertes Arschloch, das eine Zurückweisung nicht akzeptieren kann und seinen Frust darüber ständig an mir auslassen muss! Begreif es endlich, Russell: Zack will nichts von dir! Selbst wenn es mich nicht geben würde, würde zwischen ihm und dir niemals was laufen, weil Zack einfach nicht auf schikanierende Dreckskerle steht! Also komm drüber weg, such dir jemand anderes und lass mich in Ruhe!«

Der Faustschlag kam aus dem Nichts. Schmerzen explodierten zwischen seinen Rippen und er stürzte zu Boden. Keuchend krümmte Jamie sich zusammen und rang mühsam nach Luft, doch bevor er sich wehren konnte, beugte Russell sich über ihn und schlug ein weiteres Mal zu.

Panik stieg in ihm hoch. So wie es sich anfühlte, war beim Sturz nichts passiert, aber wenn Russells Fäuste seine Wirbelsäule trafen –

»Du mieser kleiner Scheißkerl«, zischte der Muskelprotz und hob die Faust für einen dritten Boxhieb, doch bevor er erneut zuschlagen konnte, wurde er gepackt und jemand drehte ihm den Arm auf den Rücken. Ohne große Anstrengung zog Max den kräftigen Jungen weg, während Ned sich schützend vor Jamie stellte. Mit tiefster Verachtung bohrte er seinen Blick in Russell, der vergeblich versuchte, sich zu befreien.

»Max, bring Russell zur Tür. Für ihn ist die Party zuende.«

»Wer bist du eigentlich, dass du glaubst, dich hier so aufspielen zu können?« Russell blitzte ihn höhnisch an. »Sein zweiter Lover? Sein Bodyguard? Du hast mir gar nichts zu befehlen!« Erneut versuchte er sich loszumachen, doch Max hielt ihn eisern fest.

»In diesem Haushalt werden keine Handgreiflichkeiten geduldet«, sagte der Roboter streng. »Daher stimme ich Neds Vorschlag zu.« Fragend sah er zu Jamie.

»Wirf ihn raus.«

»Sehr gerne.«

»Das wird dir noch verdammt leidtun, Bennett!«, zischte Russell.

»Mit solchen Drohungen vor Zeugen wäre ich an deiner Stelle sehr vorsichtig.« Warnend funkelte Ned ihn an. »Solltest du Jamie noch ein einziges Mal auf die Pelle rücken, handelst du dir weit größeren Ärger ein als nur einen Partyrausschmiss, das garantiere ich dir!«

Hasserfüllt starrte Russell von Ned zu Jamie, während Max ihn mit Nachdruck aus der Küche führte.

»Alles in Ordnung? Bist du verletzt?« Besorgt kniete Ned sich neben Jamie.

»Nein, ich bin okay.« Mühsam versuchte Jamie sich aufzusetzen, als ihm ein stechender Schmerz in die linke Seite fuhr. Stöhnend sank er zurück und presste eine Hand gegen seine Rippen.

»Ganz sicher?«, fragte Ned skeptisch.

Jamie biss die Zähne zusammen und nickte unwirsch. »Ja, der Mistkerl schlägt wie ein Kleinkind.«

Ned hob eine Augenbraue. »Nach Kleinkind sah das aber nicht aus.«

»Ich bin in Ordnung! Okay?«

Völlig überzeugt war Ned nicht, doch statt nachzuhaken half er Jamie, sich aufzusetzen. »Ehrlich gesagt, wundert es mich nicht, dass Russell so ausgetickt ist. Und ich hab vermutlich bloß die Hälfte von dem mitgekriegt, was du ihm an den Kopf geworfen hast.«

»Ich hab nur die Wahrheit gesagt!«

»Ja schon, aber wie!« Kopfschüttelnd sah Ned ihn an. »Dir ist aufgefallen, dass der Typ zwei Köpfe größer ist als du, ja? Und ungefähr doppelt so breit? Und seine Aggressionsschwelle ist niedriger als die Themsemündung bei Ebbe.«

»Sehr witzig!«, knurrte Jamie biestig und hielt sich noch immer die geschundenen Rippen. »Ich konnte mir seine beschissenen Sprüche einfach nicht mehr länger anhören.«

»Wie war das noch mit den ehrenhaften Vorsätzen Zack zuliebe?«

»Oh, halt die Klappe!«

Ned grinste und klopfte ihm versöhnlich auf die Schulter. »Schon gut. Sei nicht sauer. Du hattest ja mit allem, was du gesagt hast, recht. Und wenn ich mir Russells Bullshit hätte anhören müssen, wäre ich auch irgendwann ausgerastet.«

»Ja, nur hättest du dich besser verteidigen können.« Jamie verzog das Gesicht, als er eine besonders schmerzhafte Stelle seiner Rippen berührte.

»Bist du wirklich okay?«

»Ja, bin ich. Kannst du mir hochhelfen? Ich kann nicht alleine aufstehen.«