Leseprobe House of Nightmares Seite 11

 

Doch Krankheit, Schmerzen und Angst vor dem Tod waren vorbei. Er hatte die Chance auf ein neues Leben bekommen und versuchte jetzt, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Manchmal fiel das noch schwer, besonders da das Leben in seinem neuen Körper auch nach gut drei Monaten immer noch viele Herausforderungen für ihn bereithielt. Es hatte Wochen gedauert, bis er sich sicher genug gefühlt hatte, um in die Öffentlichkeit zu gehen, und auch dann hatte er es nur getan, weil Will, Jamie, Zack und Jem ihm nicht durchgehen ließen, dass er sich weiter versteckte.

Ned riss seinen Blick von der Landschaft los und sah zu Jamie und Zack, die ihm in den hellen Ledersitzen der Luxuslimousine gegenübersaßen.

Freunde. Er hatte zum ersten Mal in seinem Leben richtig gute Freunde. Und das schlechte Gewissen nagte fies an ihm, als er sah, dass Jamie nicht gerade glücklich aus dem Fenster starrte. Seine rechte Hand lag in Zacks und auch der wirkte bedrückt, während er still auf die vorbeiziehenden Felder schaute.

Ned ballte die Fäuste. Er hatte seinen Dad dazu überredet, Jamie, Zack und Jemma mit auf diesen Trip zu nehmen. Es war nicht gerade eins seiner persönlichen Highlights, diesem Angus McLean in den nächsten Tagen Rede und Antwort zu seinem neuen Körper stehen zu müssen. Ihm war klar, dass diese Gespräche nichts waren im Vergleich zu dem, was ihm bevorstünde, wenn er an McLeans Stelle an die Öffentlichkeit gehen müsste. Ein Bioroboterkörper, der todkranken Menschen ein Überleben sichern konnte – Ned war seinem Vater unendlich dankbar dafür, dass er ihn aus dem Pressewirbel heraushalten wollte, den diese Sensation mit Sicherheit auslösen würde. Trotzdem hasste er die bevorstehenden Gespräche mit McLean schon jetzt, denn sie würden ihm immer wieder vor Augen führen, was er war – und was nicht mehr. Er hatte zwar sein Überleben gewonnen, doch der Preis, den er dafür zahlen musste, war hoch und er hatte eine Scheißangst davor, dass man ihn und alle anderen, die sich zu einem Leben in einem Biokörper entschieden, als Freaks ansehen würde.

Oder als Menschen zweiter Klasse.

Oder gar nicht mehr als Menschen …

Diese Vorstellung war schrecklich und er verdrängte sie so gut er konnte. Und er war unglaublich erleichtert, dass seine Freunde ihn so akzeptierten, wie er jetzt war. Deswegen war es ihm so wichtig, sie hier bei sich zu haben. Und sie waren mitgekommen, obwohl es ihnen offensichtlich schwerfiel, und das rechnete Ned ihnen hoch an.

»Denkt bitte daran, dass ihr McLeans Familie nichts über Ned, die Bioroboter oder McLeans Vorhaben sagen dürft«, brach Edward Dunnington plötzlich die Stille. »Darauf legt Angus sehr viel Wert und ich musste ihm eure absolute Verschwiegenheit zusichern. Seine Familie weiß anscheinend noch von nichts und er will es ihnen zum richtigen Zeitpunkt mitteilen.« 

Zack und Jamie nickten.

»Ist doch verständlich«, murmelte Ned. »Er muss ihnen schließlich klarmachen, was aus ihm wird und dass die Medien nicht nur ihm, sondern vermutlich auch seinen Angehörigen das Leben zur Hölle machen werden. Das würde ich meinen Leuten auch lieber schonend beibringen.«

Dunnington rieb sich über die Augen. »Im Prinzip hast du recht. Ich fürchte nur, dass Angus sich nicht aus Rücksicht auf seine Familie unsere Verschwiegenheit erbeten hat.«

Irritiert sah Ned ihn an. »Warum dann?«

»Ich weiß es nicht«, seufzte sein Dad. »Angus ist kompliziert und nicht gerade das, was man einfühlsam nennen würde. Eher das Gegenteil.«

»Na toll! Und warum vertraust du ihm dann?«

»Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, Ned. Nur weil ich Angus menschlich nicht unbedingt sympathisch finde, ist er trotzdem ein anständiger und respektabler Geschäftspartner, auf dessen Wort man sich verlassen kann. Außerdem kann ich ihm mit einem neuen Körper etwas geben, das er unbedingt haben will, also wird er sich an den Deal halten, den ich ihm vorgeschlagen habe.« Er schenkte seinem Sohn ein beruhigendes Lächeln. »Ich habe einen unanfechtbaren Vertrag mit ihm ausgehandelt. Er wird kein Wort über dich verlieren. Zu niemandem. Sonst würde er viel zu viel aufs Spiel setzen.«

Ned nickte stumm, spürte aber, wie sein Unbehagen wegen der bevorstehenden Gespräche mit McLean deutlich zunahm.

Ein Fuß stupste gegen sein Schienbein.

Jamie lächelte ihm aufmunternd zu. »Du kriegst das schon hin.«

»Jamie hat recht«, sagte Dunnington mit einem dankbaren Blick in Jamies Richtung. »Und ich bin auf jeden Fall dabei, wenn Angus dich befragt.«

Ned rang sich ein Lächeln ab, atmete tief durch und nickte. »Wird schon werden.«

»Weiß McLean eigentlich, dass Jamie auch einen Übergang in einen Biokörper geschafft hat?«, fragte Zack.

Dunnington schüttelte den Kopf. »Nein. Das geht ihn nichts an. Niemand außer uns weiß, was Jamie für Ned getan hat, und das wird auch so bleiben.« Er schaute die drei ernst an. »Wenn Angus seinen neuen Körper hat und wir damit an die Öffentlichkeit gehen, wird die Hölle losbrechen und aus dem ganzen Rummel will ich euch heraushalten. Nach allem, was Ned durchgemacht hat, verdient er jetzt ein selbstbestimmtes Leben und keins, das auf Schritt und Tritt von den Medien verfolgt, dokumentiert und analysiert wird.« Er sah zu Jamie. »Und wenn bekannt würde, dass du einen Übergang in einen Roboter ausprobiert und dich trotz deiner Behinderung gegen ein Leben in einem künstlichen Körper entschieden hast, würde die Presse dich genauso mit Fragen bombardieren.«

Jamie schluckte. Das war so ziemlich das Letzte, was er wollte.

Dunnington bedachte die Jungen mit einem versichernden Lächeln. »Aber dazu wird es nicht kommen, weil Angus das Medienspektakel auf sich ziehen wird.« Dann wurde er wieder ernst und sah die drei eindringlich an. »Seid aber trotzdem vorsichtig. Die McLeans sind eine seltsame Familie. Vertraut auf Abberton Coille also besser niemandem.«

 

Ihr wollt wissen, wie es weitergeht?

Die Antwort darauf gibt es hier: wink

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